Ein Hy­per­vi­sor ist eine Software oder Firmware, die virtuelle Maschinen erstellt und verwaltet. Dabei abs­tra­hiert er die Hardware-Res­sour­cen eines phy­si­schen Rechners und macht sie mehreren Be­triebs­sys­te­men gleich­zei­tig zu­gäng­lich. Anstatt ein kom­plet­tes System inklusive Hardware und Be­triebs­sys­tem physisch auf­zu­bau­en, erzeugst du einfach eine virtuelle Kopie – quasi die digitale Illusion einer PC-Umgebung.

Wie funk­tio­niert ein Hy­per­vi­sor?

Wenn du eine virtuelle Maschine (VM) erstellst, läuft diese auf Basis einer echten, phy­si­schen Maschine – zum Beispiel auf deinem PC. Die VM ist also auf die tat­säch­li­che Hardware an­ge­wie­sen. Damit das rei­bungs­los klappt, gibt es eine Ver­mitt­lungs­schicht: den Hy­per­vi­sor. Diese Software übernimmt das Ma­nage­ment der be­nö­tig­ten Res­sour­cen. Das Programm, auch als Virtual Machine Monitor (VMM) bekannt, teilt dem System die Ka­pa­zi­tä­ten zu. So können ver­schie­de­ne virtuelle Maschinen parallel auf einem Host-System laufen, ohne sich ge­gen­sei­tig zu stören, da der Hy­per­vi­sor jedem System genau das gibt, was es braucht.

Der Hy­per­vi­sor schafft also eine Abs­trak­ti­ons­schicht zwischen der Hardware und den Be­triebs­sys­te­men. Er teilt die Hardware-Res­sour­cen in logische Einheiten auf und täuscht jeder VM eine eigene Umgebung vor. Die VMs agieren so, als würden sie direkt auf der Hardware laufen, obwohl sie sich die Res­sour­cen mit anderen teilen.

Hinweis

Die klare Trennung der vir­tu­el­len Maschinen sorgt nicht nur für eine ef­fi­zi­en­te Ver­tei­lung, sondern erhöht auch die Si­cher­heit. Der Hy­per­vi­sor ga­ran­tiert, dass ein Gast­sys­tem nicht auf die Daten eines anderen zugreifen kann. Das ist besonders für Test­zwe­cke ideal: Ein feh­ler­haf­tes Programm in einer VM kann andere Um­ge­bun­gen nicht be­schä­di­gen.

Spei­cher­ver­wal­tung

Bei der CPU-Vir­tua­li­sie­rung nutzt der Hy­per­vi­sor Methoden wie Time-Slicing, um die Re­chen­kraft fair auf­zu­tei­len. Moderne Pro­zes­so­ren un­ter­stüt­zen den Hy­per­vi­sor dabei mit spe­zi­el­len Vir­tua­li­sie­rungs­funk­tio­nen (wie Intel VT-x oder AMD-V), was den Re­chen­auf­wand reduziert.

Der Ar­beits­spei­cher (RAM) wird über Paging- und Mapping-Verfahren verwaltet. Der Hy­per­vi­sor weist physische Spei­cher­blö­cke vir­tu­el­len Adressen zu, sodass jede VM nur ihren eigenen Bereich sieht. Wird der Platz knapp, helfen Me­cha­nis­men wie Memory Over­com­mit­ment oder Bal­loo­ning, um den Speicher effizient zu verteilen.

I/O- und Ge­rä­te­ma­nage­ment

Virtuelle Maschinen greifen über digitale Schnitt­stel­len auf Hardware wie Fest­plat­ten oder Netz­werk­kar­ten zu. Der Hy­per­vi­sor simuliert diese Geräte oder leitet Anfragen direkt an die echte Hardware weiter (Direct-I/O oder Pass-Through). Das sichert die optimale Balance zwischen Kom­pa­ti­bi­li­tät und Speed.

Isolation und Si­cher­heit

Ein ent­schei­den­der Vorteil der Vir­tua­li­sie­rung ist die Isolation. Jede VM läuft in ihrem eigenen ge­schütz­ten Bereich. Fehler oder Attacken in einer VM haben keine direkten Aus­wir­kun­gen auf andere Systeme oder den Host. Der Hy­per­vi­sor nutzt dafür Si­cher­heits­fea­tures wie Spei­cher­schutz und Sand­boxing.

Ver­schie­de­ne Arten von Virtual Machine Monitors

Wir un­ter­schei­den zwei Haupt­ar­ten: Typ-1- vs. Typ-2-Hy­per­vi­so­ren. Beide bieten spe­zi­fi­sche Vorteile. Die erste Variante ist tech­no­lo­gisch älter – bereits in den 1960er-Jahren gab es erste Versuche, diese Art der Vir­tua­li­sie­rung zu nutzen.

Typ-1-Hy­per­vi­sor

Diese Art nennt man auch Bare-Metal-Hy­per­vi­sor oder Nativer Hy­per­vi­sor. Er wird direkt auf der Hardware in­stal­liert und benötigt kein zwi­schen­ge­schal­te­tes Be­triebs­sys­tem. Deshalb bringt er alle nötigen Treiber selbst mit. Der Res­sour­cen­ver­brauch ist hier besonders niedrig, da die Re­chen­leis­tung nicht erst durch ein Host-Be­triebs­sys­tem muss. Dieser Typ ist ideal für pro­fes­sio­nel­le Server-Vir­tua­li­sie­run­gen. Für einfache Projekte daheim ist der Aufwand meist zu groß.

Bild: Schematische Darstellung der Funktionsweise des Typ-1-Hypervisors
Ein Hy­per­vi­sor des Typs 1 sitzt direkt auf der Hardware.

Typ-2-Hy­per­vi­sor

Die zweite Variante (auch Hosted Hy­per­vi­sor genannt) setzt auf ein be­stehen­des Be­triebs­sys­tem auf. Du in­stal­lierst einen Typ-2-Hy­per­vi­sor einfach wie eine normale App. Der VMM kümmert sich dann um die Vir­tua­li­sie­rung. Da das Be­triebs­sys­tem die Treiber be­reit­stellt, ist die Ein­rich­tung sehr kom­for­ta­bel. Al­ler­dings kostet dieser Komfort Per­for­mance, da der Host selbst schon Res­sour­cen be­an­sprucht. Wegen der einfachen Hand­ha­bung sind Typ-2-Hy­per­vi­so­ren perfekt für kleinere Vorhaben geeignet.

Bild: Schematische Darstellung der Funktionsweise des Typ-2-Hypervisors
Der Typ-2-Hy­per­vi­sor wird auf ein be­stehen­des Be­triebs­sys­tem in­stal­liert.
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